Pfarre Am Tabor

Auferstehung Christi

Pfarre Am Tabor

Auferstehung Christi

4. Adventsonntag

Bibelwort: Lukas 1,26-38
Die junge Frau und die alte Frau, Maria und Elisabeth. Die eine ist jung und schön, zart und anmutig, mit großen Augen in die Zukunft schauend, und das Kind kommt unerwartet und zu früh. Die andere ist alt, zumindest deutlich älter als die andere; sie ist geprägt und erfahren, vielleicht auch schon ein wenig abgearbeitet und faltig. Auch für sie kommt das Kind unerwartet, die Zeit des Kinderkriegens scheint nach all dem Warten schon vorbei zu sein. So stelle ich sie mir zumindest vor, diese beiden Frauen, die „in anderen Umständen“ sind, die beide auf unerwartete Weise fruchtbar geworden sind und neues Leben in sich tragen. Später begegnen sie einander in Freude, vielleicht auch in Unsicherheit, und sie suchen und brauchen gegenseitige Hilfe und Bestärkung.
Immer wenn ich nach Nürnberg komme, gehe ich in die Jakobskirche. Dort finde ich die „Heimsuchungsgruppe“ aus dem 16. Jahrhundert, die Skulptur meiner beiden Freundinnen. Sie sind so verschieden, und doch sind beide mit dem unerwarteten Leben, das in ihnen heranwächst, schon deutlich rund geworden und schauen mich, die Besucherin, mit wachen Augen an. Leben und Fruchtbarkeit – und das in jedem Lebensalter – das ist für uns Ordensfrauen heute ein großes Thema. Und ich glaube, nicht nur für uns. In vielen, sehr vielen Menschen habe ich diese Sehnsucht angetroffen. Was für eine wunderbare „Angelegenheit“: Die Sehnsucht nach Leben, die selbst schon lebendig macht!
Christine Rod MC